
- Mitglieder der Piratenpartei aus Braunschweig, Wolfenbüttel und Wolfsburg an der Bohrstelle vor Kammer 7 in der Asse. Hier soll die erste Bohrung stattfinden um den Zustand des Atommülls in den Kammern zu erkunden. Der Bohrer ist vorbereitet und könnte loslegen, allerdings ist man derzeit noch damit beschäftigt, Auflagen der Behörden abzuarbeiten und zu erfüllen. Foto: Jürgen Stemke
Das Atommüllager Asse. Ein hochbrisantes und gerne verdrängtes Thema direkt vor unserer Haustüre. Piraten aus der Region haben jetzt die Asse besucht. Für die Piraten in Wolfsburg hat sich Jürgen Stemke unter Tage gewagt. Jürgen Stemke ist Vorsitzender der Piraten in Wolfsburg und Mitglied der AntiAtomPiraten, die sich für einen schnellen Umstieg auf dezentrale, generative Energiegewinnung in lokaler Hand einsetzen.
»Der neue Betreiber, das Bundesamt für Stahlenschutz (BfS) macht einen sehr guten Eindruck. Das BfS präsentiert sich als Betreiber, der sehr umsichtig arbeitet. Man ist sehr darum bemüht, das Vertrauen der Bürger zu den Arbeiten in der Asse zurück zu gewinnen, das in der Vergangenheit durch den nachlässigen Umgang mit dem Lager und dem Bekanntwerden der verheimlichten Missstände sehr gelitten hat.«, fasst Jürgen Stemke seine Beobachtungen zusammen.
Der Betreiber führt die Zustände in der Asse aber auch auf ein anderes Umweltverständnis der Menschen in den 60er und 70er Jahren zurück. Fakt ist, dass die nun über 100 Jahre alte Grube einstürzen und absaufen wird. Derzeit drückt der Berg auf der Südflanke die Grube um bis zu 10 cm pro Jahr zusammen. Dies ist auf die kommerzielle Ausbeutung des Bergwerks zurück zu führen und sorgt für Risse im Berg. Diese bilden eine Gefahr für die Standfestigkeit und bilden Wegsamkeiten für Wasser, bzw. Salzlaugen.

Zwischenlager der eintretenden Grubenlauge, ca. 10 m3 pro Tag, nicht radioaktiv. Foto: Jürgen Stemke
12 m³ gesättigte Salzlauge dringen derzeit pro Tag ein. Das entspricht in etwa der Menge von einem großen Tanklastzug in 2,5 Tagen. Dieses Wasser ist nur im natürlichen Rahmen radioaktiv belastet. Maximal 40 Bq Tritium will das BfS zulassen um diese Lauge abzuführen und in anderen Bergwerken zu entsorgen. Zum Vergleich: Trinkwasser darf mit bis zu 100 Bq Tritium belastet sein. Die Tritium gelangt durch Anlagerung ausgasenden Tritiums aus dem Atommüll in die Salzlauge. Um dies zu verhindern werden die Sammelstellen im Berg abgedeckt und direkt mit Frischluft versorgt.
Radioaktive Lauge wird vor Kammer 12 aufgefangen. Dies ist jedoch kein Wasser das von außen eindringt, sondern dieses Wasser stammt aus Abfällen des Kalibergbaus, die schon früher in der Asse eingelagert wurden.
Der Betreiber hält an dem Konzept zur Räumung des Lagers fest und erkundet derzeit den Zustand des Atommülls, der hinter 20 Meter dicken Sperrmauern in Kammern der Asse lagert. Dazu sollen diese Kammern angebohrt werden. Da man nicht genau weiß was einen erwartet, sind die Sicherheitsvorkehrungen und die behördlichen Auflagen zum Schutz der Bohrung erheblich. Daher konnte bisher keine Bohrung durchgeführt werden. Man ist seit 2009 an der Vorbereitung. Wenn aber erst einmal die erste Bohrung durchgeführt wurde, kann man davon ausgehen, dass weitere Bohrungen zügig durchgeführt werden können.

Bohranlage vor Kammer 7 auf der 750m Täufe. Foto: Jürgen Stemke
Eingeschränkt werden die Arbeiten auch durch die Begrenzte Infrastruktur der Grube Asse II. Derzeit können etwa 80 Fahrzeuge betrieben werden und es dürfen sich 120 Menschen in der Grube aufhalten. Für mehr reicht die Luft nicht, die durch die Schachtanlage herbei geschafft werden kann. Kommt man untertage, fällt einem sofort die schlechte Luftqualität auf. Die Luft schmeckt wie in einer Großstadt an einer Hauptverkehrsstraße mit LKW-Dauerverkehr. Zudem befinden sich die Infrastrukturanlagen in einem ständigen Sanierungszustand. Der Betreiber plant daher einen weiteren Schacht zu errichten. Dieser könnte die Infrastruktur und die Bewetterung (Luftversorgung) verbessern. Damit könnte man auch mehr Bergleute untertage beschäftigen.

Gegen Einstürzen abgesicherter Grubenteil. Foto: Jürgen Stemke
Parallel zu den Arbeiten zur Bergung des Atommülls werden Notfallmaßnahmen vorbereitet, sollte die Grube plötzlich absaufen. Ein solches Ereignis kann nicht ausgeschlossen werden und könnte jederzeit eintreten.
Wird der Müll geborgen, wird eine Anlage von erheblicher Größe benötigt um den Müll neu zu verpacken und transportfähig zu machen. Konditionieren nennt man diesen Vorgang in der Fachsprache. Wo der Müll dann hin kann ist noch unklar. Die Anlage Konrad ist bereits ausgebucht und kann nach derzeitiger Genehmigung den Asse-Müll nicht aufnehmen. Erstes Ziel ist derzeit jedoch den Müll vor dem Absaufen der Grube zu retten, denn hier ist Gefahr im Verzug.
Die Piraten fordern, so schnell wie möglich auf das Produzieren neuen Atommülls in Kernkraftwerken zu verzichten und diese still zu legen. Bis 2030 könnte sich Niedersachsen zu 100% generativ versorgen. Biogasanlagen sind dazu jedoch nicht notwendig und sollten nicht mit extra dafür angebauten Pflanzen betrieben werden. Diese Anlagen sollten lediglich mit ohnehin anfallenden Reststoffen betrieben werden.
Bilder aus der Asse
Wir waren ausschließlich im nichtradioaktiven Teil der Grube. Wollten wir in andere Bereiche, hätten wir das vorher besonders ankündigen müssen, damit ein Strahlenschutzteam bereitgestellt werden kann. Zudem sind aufgrund von Schäden an einer wichtigen Fahrstrecke Führungen derzeit nur zu Fuß und damit in einem geringerem Umfang möglich. Dennoch sehr Interessant, genauso wie die Gespräche und Diskussionen mit den Fachleuten vor Ort.
Auf manchen Bildern sieht man, dass auf Behältern das Atom-Symbol klebt. Das bedeutet nicht, dass sich strahlendes Material im Behälter befindet, sondern in diesem Bereich der Gube dass die Strahlung noch nicht gemessen wurde und der Inhalt bzw. der Behälter so die Grube nicht verlassen darf. D.h. alles was in der Grube anfällt bekommt erst einmal den Strahlen-Aufkleber, auch im nichtradioaktiven Teil der Grube. Der Strahlenschutz muss das Material dann frei geben, soll es aus der Grube raus.
Hier die Bilder von Jürgen Stemke. Für eine größere Ansicht und Bildbeschreibung das einzelne Bild anklicken:
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